Biberacher halten sich an Auflagen beim Einkaufen

Bildunterschrift: Die Mitarbeiterinnen bei Keller-Warth am Biberacher Marktplatz begrüßen die Kunden mit Mundschutz und Desinfektionsmittel (von links): Milena Schuler, Uschi Münch und Iris Wesnigk. Foto: Schwörer

Welches Fazit die Beteiligten ziehen und ob weniger Kunden kommen

Von Simon Schwörer

 

Biberach - Seit zwei Wochen haben die Einzelhandelsgeschäfte in Biberach wieder geöffnet. Mit strengen Auflagen. Hinzu kam am vergangenen Montag der vorgeschriebene Mundschutz beim Einkaufen. Aber, wie gut halten sich die Biberacher seitdem diese neuen Regeln?

 

Gut, wenn es nach Stadtsprecherin Andrea Appel geht. Sie sagt: „Die Bevölkerung ist überwiegend sehr darauf bedacht, die Vorgaben der Corona-Verordnung einzuhalten.“ Das gelte sowohl für Gewerbetreibende als auch für Bürger. Laut Appel bekommt die Stadt sogar regelmäßig Anrufe von Menschen, die sich erkundigen wollen, ob ihre Vorhaben derzeit zulässig sind. „Das sind ganz verschiedene Sachen: vom Umzug, über den Besuch von Freunden oder ob in privaten Räumen Musikunterricht angeboten werden darf“, sagt sie. „Die Leute wollen ja nichts falsch machen.“

 

Damit sie nichts falsch machen, kontrolliert die Stadt etwa den Einzelhandel. „Wenn Vorgaben nicht richtig umgesetzt wurden, klären wir das im Gespräch“, sagt Appel. Etwa wenn Desinfektionsmittel fehle oder keine Leitlinien vor der Kasse vorhanden seien. „Bei den Folgekontrollen gab es keinerlei Beanstandungen. Bußgelder mussten wir gegenüber Einzelhändler daher bislang keine verhängen“, sagt die Stadtsprecherin. „Auch im Umgang mit Mund-Nasen-Schutz konnten wir bisher keine nennenswerten Auffälligkeiten verzeichnen.“

 

Auch Wolfgang Jürgens ist mit der Einhaltung der Maßnahmen zufrieden. „Das funktioniert sehr gut“, meint der Sprecher des Ulmer Polizeipräsidiums. Zwar erhebe die Polizei keine speraten Zahlen für die einzelne Städte und Gemeinden. Im Gesamtbereich des Präsidiums sei die Zahl der Verstöße gegen die Corona-Verordnung aber relativ niedrig. „Wenn wir die Zahl unserer gezielten Kontrollen damit vergleichen, wie viele gegen die Verordnung verstoßen, kommen wir auf fünf Prozent“, sagt Jürgens. Häufigster Verstoß: „Das ist in der Regel, dass mehrere Leute zusammenstehen.“

 

Dass die Corona-Regeln auch in den Geschäften eingehalten werden, dafür sei der Händler und dessen Personal zuständig, erklärt Jürgens. In zweiter Linie dann der Gemeindevollzugsdienst und in dritter Linie die Polizei. Doch das funktioniere. Auch die Maskenpflicht werde eingehalten. „Das ist quasi schon ein alltägliches Bild“, sagt Jürgens.

 

Das bestätigt auch Friedrich Kolesch, Geschäftsführer des Biberacher Modehauses Kolesch. „Das funktioniert absolut problemlos. Die Kunden sind vorsichtig und verständig“, meint er. Sicherheitshalber habe Kolesch Einwegmasken für die Kunden besorgt. „Eine haben wir davon seit Montag gebraucht“, sagt Kolesch. Die Kunden hätten eigene Schutzmasken dabei. Das Modehaus habe ein Infektionsschutzkonzept aufgestellt. „Wir waren da gut vorbereitet“, sagt Kolesch. Zwischen der ersten Woche, seitdem die Biberacher Geschäfte wieder öffnen durften und der zweiten, in der die Maskenpflicht kam, habe er an der Kundenfrequenz keinen Unterschied bemerkt, meint Kolesch.

 

Anders sieht es bei Günter Warth aus. Der Geschäftsführer des Modehauses Keller-Warth erklärt, seit der Maskenpflicht habe er weniger Kunden. „Wir haben auch Tage gehabt, an denen man dachte: Da kannst du den Laden zu lassen“, meint er. Warth glaubt: „Nach einem guten Start in der ersten Woche sorgt inzwischen die Maskenpflicht bei den Kunden für allgemeine Verunsicherung.“ Er habe sich auch bei Geschäften mit hoher Kundenfrequenz umgehört. Etwa in Bäckereien und Drogerien, sagt der Geschäftsführer. Auch die hätten weniger Kunden seit der Maskenpflicht. Warth glaubt: „Die Kunden empfinden das als Beeinträchtigung.“ Wenn das dem Kunden so gehe, kaufe der eben nur im Supermarkt das Nötigste und bleibe sonst zu Hause. Dabei funktioniere die Einhaltung der Corona-Maßnahmen in seinen Geschäften gut, sagt er. „Das ist hervorragend gelaufen.“ Auch an die Maskenpflicht würden sich seine Kunden halten.

 

Auch Flavia Gutermann hat bemerkt, dass die Zahl der Kunden in der ersten Woche seit der Wiederöffnung stärker war, als in der zweiten Woche. Gutermann führt das Biberacher Haushalts- und Eisenwarengeschäft Gutermann zum Blumenstrauß. Die Kundenfrequenz sei insgesamt im Vergleich zur Zeit vor Corona noch verhaltener. Den Rückgang der Kunden macht sie aber nicht an der Maskenpflicht fest. „In der ersten Woche war eher mehr los, weil die Menschen so lange nicht einkaufen konnten“, glaubt sie. Es gebe aber tatsächlich Kunden, die wegen der Maskenpflicht derzeit nicht einkaufen gehen wollten. Das seien aber ganz wenige, sagt Gutermann. Ihre Kunden würden die Abstandsregeln und die Maskenpflicht ernst nehmen. „Die halten sich alle brav daran, das klappt in der Regel gut“, sagt sie. Samstags gebe es eine höhere Kundenfrequenz. Und was in der Theorie gut klappe, werde in der Praxis dann schwieriger, sagt Gutermann. „Etwa zu organisieren, wer noch draußen warten muss, oder wie der Abstand in der Schlange eingehalten wird.“ Darauf würden dann ihre Mitarbeiter achten.